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DGS-Hilfe

Einfluss der Pandemie und der Legalisierung des assistierten Suizids auf die Suizidrate derzeit nicht nachweisbar

Pressemitteilung vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro), Deutsche Akademie für Suizidprävention (DASP) und Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)

Kassel, 30. November 2021 – 9.206 Menschen starben in Deutschland im Jahr 2020 durch Suizid. Damit sterben jährlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen. Auch wenn die Suizidrate um 0,2 Punkte auf 11,1 Suizide je 100.000 Einwohnende anstieg, konnten weder ein Einfluss der Pandemie, noch der Legalisierung des assistierten Suizids bisher nachgewiesen werden. Wie sich diese beiden Faktoren langfristig auf die Suizidrate auswirken werden, lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Die deutschen Verbände der Suizidprävention empfehlen eine gesetzliche Regelung zur nachhaltigen Förderung der Suizidprävention.

Suizidstatistik 2020
Das Statistische Bundesamt hat die Suizidstatistiken für 2020 veröffentlicht. Demnach sind2020 in Deutschland 9.206 Menschen durch Suizid verstorben. „Das sind 165 Fälle mehr als im Vorjahr und bedeutet, dass sich statistisch gesehen alle 57 Minuten ein Mensch in Deutschland das Leben nimmt“, berichtet Hannah Müller-Pein, Kommunikationsbeauftragte des NaSPro. „Immer noch sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, Aids und illegale Drogen zusammen.“ Unter den Menschen, die durch Suizid verstorben sind, waren 6.944 Männern, was mehr als 75 Prozent entspricht. Das durchschnittliche Sterbealter ist weiter gestiegen und liegt nun bei 58,7 Lebensjahren. Damit entfällt nahezu die Hälfte (48,6 %) aller Suizide auf Menschen jenseits des 60. Lebensjahres.

Schwankungen in den Altersgruppen und bei den Methoden
Im Vergleich zu den absoluten Zahlen aus dem Vorjahr fiel auf, dass es bei den 15 bis unter 20jährigen einen Rückgang gegeben hat und bei den 20 bis unter 25jährigen einen leichten Anstieg. Auch in den älteren Altersgruppen ist die Entwicklung unterschiedlich. Vermutlich liegen diese Werte innerhalb der normalen Schwankungsbreite. Bei den Suizidmethoden dominierte das Erhängen (4.179) auch 2020 deutlich, wobei hier ein langsamer Rückgang der Methode beobachtet wird, während eine tendenzielle Zunahme der Selbsttötungen durch Medikamente und Sturz zu verzeichnen ist.

Nachhaltige Förderung der Suizidprävention

Im ersten Jahr der COVID-19 Pandemie und nach der Legalisierung des assistierten Suizids durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 lässt sich nur ein minimaler Anstieg der Suizidrate beobachten. Suizidalität ist aber ein sehr komplexes Geschehen und von vielen Faktoren abhängig. Deshalb lässt sich derzeit kein kausaler Zusammenhang herstellen. Eine langfristige Prognose der Entwicklung der Suizidzahlen kann nicht gegeben werden. Für eine Entwarnung gibt es keinen Anlass. Völlig unabhängig von der Pandemie benötigt Deutschland deshalb mehr und insbesondere verstetigte Maßnahmen zur gelingenden Suizidprävention, wie beispielsweise eine bundesweit einheitliche Notrufnummer für Menschen in suizidalen Krisen und deren Angehörige.

Den vollständigen Datensatz mit allen Grafiken und Informationen erhalten Sie unter:

https://www.naspro.de/dl/Suizidzahlen2020.pdf

Der Bericht zur aktuellen Lage der Suizidprävention in Deutschland ist online abrufbar:

https://www.naspro.de/dl/Suizidpraevention-Deutschland-2021.pdf

Die Empfehlungen des NaSPro zur Förderung der Suizidprävention ist erhältlich unter:

https://www.naspro.de/dl/Empfehlungen_Suizidpraevention_Nov2021.pdf

Kontakt:  Hannah Müller-Pein (Kommunikationsbeauftrage des NaSPro) presse@naspro.de

Twitter: https://twitter.com/Suizid_Info_de 

Medienportal: http://www.suizidprävention.de/medienportal

Weitere Informationen: www.suizidprävention.de; www.suizidprophylaxe.de

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Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) ist seit 1972 die übergreifende Fachgesellschaft für alle Einrichtungen und Personen, die sich in Forschung, Lehre oder Praxis mit Suizidprävention als Hilfe in Lebenskrisen befassen.

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