Stellungnahme: Einordnung statt Zuspitzung – Suizidassistenz in der medialen Darstellung
Wer über Suizidassistenz berichtet, prägt mit, was öffentlich und privat im Zusammenhang mit Sterben und Tod als nachvollziehbar, naheliegend oder erstrebenswert erscheint. Deshalb erfordert dieses Thema besondere journalistische Sorgfalt. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass mediale Darstellungen von Suizid und Suizidassistenz beachtliche Wirkung entfalten können – sei es präventiv oder suizidgefährdend.
Eine Berichterstattung über Suizidassistenz, die Hilfsmöglichkeiten und Alternativen ausblendet, bleibt unvollständig. So sollten beispielsweise palliative, medizinische, psychotherapeutische, psychosoziale und seelsorgliche Angebote sichtbar gemacht werden – ebenso wie Erfahrungen von Menschen, die Krisen bewältigt und neue Perspektiven gefunden haben.
Sterbewünsche entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern im Wechselspiel mit der sozioökonomischen Umwelt. Mit adäquater Unterstützung können oft Alternativen gefunden werden. Deshalb gehören Themen wie Einsamkeit, Angst, Depression, Überforderung, sozialer Druck oder unzureichende Unterstützung als relevante Kontextfaktoren in diese Berichterstattung hinein. Dabei sollte jedoch der Eindruck vermieden werden, dass diese Belastungen nur durch assistierten Suizid bewältigt werden könnten.
Mediale Darstellungen prägen mit, wie eine Gesellschaft auf Leiden, Abhängigkeit, Hilfebedarf und Suizidassistenz blickt. Deshalb: Nicht Verklärung, sondern Einordnung. Nicht Zuspitzung, sondern Differenzierung. Damit können Medienschaffende einen wertvollen Beitrag zur Suizidprävention im Rahmen des assistierten Suizids leisten.





