Leitlinien der DGS

 

 

 

Viele Fragen – eine Antwort:
Die Leitlinien der DGS für Krisenintervention und Suizidprävention

R. Freytag

Immer mehr Einrichtungen setzen sich mit den Zielen und der angestrebten Qualität ihrer Arbeit auseinander. Das betrifft auf dem Gebiet von Krisenintervention und Suizidprävention sowohl Institutionen, die schon lange Krisenintervention anbieten und dabei sind, ihre Arbeit auszuwerten und einzuschätzen, als auch Einrichtungen, die erstmalig Krisenintervention und Suizidprävention in ihr Angebot aufnehmen wollen oder Behörden, die sich mit dem Ausbau der regionalen Versorgung mit Krisendiensten beschäftigen und schließlich auch Einrichtungen, die Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich anbieten.

Viele Fragen entstehen dabei: Ob die angestrebten Ziele den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werden können, ob die geleistete oder zu leistende Arbeit wirklich die angestrebten Ziele erreicht, wie sich Krisenintervention/Suizidprävention am effektivsten organisieren lassen, was dabei vorrangig zu bedenken ist, welche Erfahrungen sich als Orientierung anbieten und andere Fragen mehr.

Antworten auf diese Fragen finden sich in den von der DGS „Leitlinien für die Organisation von Krisenintervention/Suizidprävention".

VertreterInnen von klinischen und ambulanten Kriseninterventionseinrichtungen haben sie zusammen mit DGS-Vorstandsmitgliedern in einem mehrjährigen Diskussionsprozeß entwickelt. Die Leitlinien beziehen sich auf sieben Themenbereiche. Für jeden Bereich gibt es Checklisten mit „Besinnungsfragen" sowie die Beschreibung von „Minimal-Standards", die den Status von – inzwischen unverzichtbaren – Qualitätsstandards repräsentieren.

Nicht alles muß von jeder Einrichtung von Grund auf neu erfunden werden. Das in den Leitlinien zusammengefaßte Erfahrungswissen kann als Basis für alle Überlegungen benutzt werden.

Die Aufgaben der sieben Themenbereiche hängen inhaltlich sehr eng zusammen. Sie beeinflussen sich insofern, als eine Nichterfüllung des Minimalstandards in einem Themenbereich sehr nachträgliche Folgen für die gesamte Qualität der Einrichtung haben kann.

Was ist zu tun?

1. Sich die Leitlinien downloaden mit dem Link am Ende dieser Seite.

2. Kurzfristig: jeweils nur ein ausgewähltes Kapitel als Grundlage für eine Diskussion im Team zu nehmen, einen Qualitätszirkel zu gründen.

3. Langfristig: alle Bereiche für eine Auswertung oder Neukonzeption heranzuziehen.

 

Die sieben Themenbereiche


1. Das Selbstverständnis der Arbeit und ihre theoretische Basis

Es ist wichtig, sich im Team über das Selbstverständnis der Arbeit einig zu werden. Manche Einstellungen, zum Beispiel zu aktiver oder passiver Sterbehilfe etc., werden nicht immer einheitlich sein. Wichtig war es den VerfasserInnen, ob solche Reflexion Raum findet, wer an ihr beteiligt wird.

2. Verwaltung und Organisation

Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ist eng verknüpft mit der Art der Verwaltungsstruktur und der Organisation der Finanzierung einer Stelle. Nicht nur die Klientel ist Kunde der Einrichtung, auch die Mitarbeitenden sind es.

3. Qualifizierung der Mitarbeitenden

Krisenhilfe erfordert eine spezielle Ausbildung und regelmäßige Supervision der Mitarbeitenden. Burn out muß nicht sein.

4. Das Angebot

Wie muß das Angebot organisiert werden, damit die Organisationsstruktur die Beziehungsaufnahme und den Kontakt zu den Betroffenen bestmöglich unterstützt und nicht fahrlässig beeinträchtigt?

5. Kooperation und Vernetzung

Selten kann eine Stelle in einer Kommune alle Krisenfälle allein abdecken. Gibt es Wege der Zusammenarbeit? Werden sie gesucht, benutzt? Sich zu vernetzen erfordert Arbeit.

6. Ethik

Wie wird die Klientel und wie werden die Mitarbeitenden geschützt? Welche Regeln gelten für den Umgang mit den Medien?

7. Evaluation und Weiterentwicklung

Die Benutzung der Leitlinien ist eine Form der Evaluation. Wie wird sie organisiert? Wie wird für die Nutzbarmachung der Evaluationsergebnisse gesorgt?

Auch die Leitlinien sollen regelmäßig evaluiert und neue Erkenntnisse in sie aufgenommen werden. Den Verfassern und Verfasserinnen ist es wichtig, daß die Entwicklung der Leitlinien ein gemeinsamer Prozeß ihrer NutzerInnen bleibt. Daher die Bitte: Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit den Leitlinien der DGS-Geschäftsstelle mit.

Regula Freytag

Literatur

FREYTAG, R., GIERNALCZYK, Th., RAUSCH, K., SCHULDT, K.-H., WEDLER, H. & WITTE, M. (1994). Leitlinien der DGS zur Organisation von Krisenintervention/Suizidprävention. Hildesheim.

FREYTAG, R. (1997). Die Entwicklung von Leitlinien und Minimalstandards in der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen. In Th. GIERNALCZYK & R. FREYTAG (Hrsg.), Qualitätsmanagement und Krisenintervention/ Suizidprävention. Göttingen.

Ausführliche Leitlinien  und zum Download als Word Dokument

© S.Roderer-Verlag 1999 / Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

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